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Gemeinsam sicher im Wasser

Zwei Jahre lang haben Kinder mit und ohne Einschränkungen in Tübingen gemeinsam schwimmen gelernt. Im selben Kurs, im selben Becken, im eigenen Tempo. Nach zwei Jahren gemeinsamer Arbeit haben die Projektpartner Schwimmen für alle Kinder (SfaK) und die Lebenshilfe Tübingen e.V. ihr gemeinsames Förderprojekt abgeschlossen, das mit finanzieller Unterstützung der Aktion Mensch e.V. umgesetzt wurde. Die Ergebnisse können sich sehen lassen.

Den Anstoß gab 2022 die Mutter eines Kindes mit Down-Syndrom. Sie wandte sich an SfaK. Aus dieser Anfrage entwickelte sich, ermöglicht durch die spätere Förderung der Aktion Mensch und die Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe Tübingen, ein Projekt mit Leuchtturmwirkung.

Über zwei Jahre setzten Schwimmen für alle Kinder und die Lebenshilfe Tübingen e.V. das Förderprojekt gemeinsam um. Ziel war es, Kindern mit Einschränkungen die Teilnahme an inklusiven Schwimmkursen zu ermöglichen. Unterstützt wurden dabei ausdrücklich auch Kinder ohne KreisBonusCard (KBC).

Auf dem Bild ist eine Schwimmlehrerin und ein Kind beim Schwimmunterricht zu sehen

In den Kursen lernten jeweils acht Kinder mit und ohne Einschränkungen gemeinsam. Das eingesetzte Schwimmteam wurde dafür durch zusätzlich ausgebildete Schwimmlehrkräfte verstärkt.

Möglich wurde das durch die Erfahrung und fachliche Kompetenz von Manuela Sacherer, Co-Vorsitzende von SfaK. Sie wurde von Alexander Gallitz, Präsident der Stiftung „Deutschland schwimmt“, als Lehrbeauftragte zertifiziert. So konnte das SfaK-Schwimmteam seine Kompetenz für Inklusions-Schwimmkurse erweitern und auf mehrere Schultern verteilen.

„Sicherheit im Wasser steht über allem“, sagt Manuela Sacherer, die Eltern und Schwimmlehrkräften als Supervisorin in schwierigen Situationen stets mit Rat und Tat zur Seite steht. „Wir sehen in jeder Unterrichtsstunde, dass Kinder mit und ohne Einschränkungen voneinander lernen, dass sie sich akzeptieren, so wie sie sind, und dass Freundschaften in Familien entstehen, die sich sonst nie gefunden hätten. Und natürlich, dass sie Spaß dabei haben.“

Ralf Kümper, Vorstand der Lebenshilfe Tübingen e.V., würdigt die Zusammenarbeit: „Als Lebenshilfe setzen wir uns dafür ein, dass Menschen mit Behinderung überall dort selbstverständlich dabei sind, wo andere auch sind. Das heißt auch im Schwimmbad. Dieses Projekt hat gezeigt, wie das konkret aussehen kann, wenn Partner es gemeinsam anpacken.“

Adrian Wendt, Projektleiter bei der Lebenshilfe Tübingen und selbst im SfaK-Team aktiv, ergänzt: „Die meiste Arbeit fand direkt in den Schwimmkursen statt: bei der Planung, der Ausbildung zusätzlicher Schwimmlehrkräfte und der individuellen Begleitung der Kinder über mehr als hundert Unterrichtsstunden hinweg. Es ist eine bemerkenswerte gemeinsame Leistung.“

Die Rückmeldungen der Eltern sind von Dankbarkeit und Begeisterung geprägt. Ein Vater berichtet: „Mir als Vater eines Kindes mit Beeinträchtigung wurden erst als Betroffener die Augen geöffnet, mit welchen Schwierigkeiten man teilweise zu kämpfen hat. Ich hätte vermutlich für meinen Sohn keinen Schwimmkurs gefunden, in dem man sich die Zeit für ihn genommen hätte, dass er in seinem eigenen Tempo schwimmen lernen kann.“

Heute geht dieser Vater regelmäßig mit seinem Sohn schwimmen. Nach über 100 Unterrichtsstunden hat der Junge die Sicherheit im Wasser gefunden.

Die Bilanz des Projekts zeigt, was in den vergangenen Jahren gemeinsam erreicht werden konnte: Seit 2022 wurden 77 Kinder und Jugendliche mit Einschränkungen unterrichtet. Sechs Kinder erreichten das Deutsche Schwimmabzeichen Bronze, 28 Kinder legten das Seepferdchen ab und 25 Kinder schafften den Anschluss an das Schulschwimmen. Gleichzeitig wurden acht Schwimmlehrkräfte zu Inklusions-Schwimmlehrkräften ausgebildet und zertifiziert.

Wie viel Zeit hinter diesen Erfolgen steckt, zeigt ein Vergleich: Durchschnittlich benötigt ein nichtschwimmendes Kind bis zum Seepferdchen 31 Unterrichtsstunden, ein Kind mit Einschränkungen im Durchschnitt 55.

„Die Kinder fassen Vertrauen, wenn sie nicht gedrängt werden, wenn kleine erste Erfolge gesehen, gelobt und gefördert werden“, sagt Monika Bösing, Co-Vorsitzende von Schwimmen für alle Kinder und unter anderem verantwortlich für die Einsatz- und Kursplanung aller Schwimmkurse. Und genau dieses Vertrauen ist das Fundament in diesem gemeinschaftlichen Inklusionsprojekt mit Leuchtturmwirkung.

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